2019 ADAC Europa Classics 2-5 September

Genussvolles Oldtimerwandern in Südtirol

Auch die zweite Auflage der Europa Classic, vom 2. bis 5. September 2019, stand wieder unter dem Motto „reisen ohne zu rasen“, wobei der Weg das Ziel ist und das Wandern mit dem Oldtimer und das Genießen mit seinen vielfältigen Facetten im Mittelpunkt stehen. Entsprechend dieser Einstellung hatten wir die Anreise bereits am Vortag angetreten, um auch schon diesen Tag als Teil der Veranstaltung anzusehen und entspannt in Schenna oberhalb von Meran einzutreffen. Wir, das waren Reiny und Louis Scuri in einem 1970-er 280 SL Pagode, Jacqueline und René Lauer in einem 1986-er 300 SL der Baureihe 107 und ich selbst mit meinem oldtimererprobten Beifahrer Paulo Lopes in einer 280SE 3,5 Limousine vom Typ 108 (Baujahr 1972). Unsere Clubfreunde Sylvie und Guy Rolling, die mit ihrem Alltags-SLK Urlaub in der Region machten, haben uns gelegentlich besucht und als Schlachtenbummler stellenweise begleitet.

Für die 86 Teams begann der erste Tag mit der obligaten Dokumentenübergabe und der technischen Abnahme, die in diesem alpinen Terrain mit seinen beeindruckenden Höhenunterschieden mehr als nur eine Formalität ist. Mit 25 Fahrzeugen stellte Mercedes-Benz das stärkste Kontingent dar: Allein neun Pagoden-SL, je fünf 190SL und 107-er sowie vier Vertreter der 111er Baureihe waren die häufigsten Sternenträger. Ihnen allen aber hatten ein sehr seltener 1936er Nürburg 500 Tourenwagen und ein 1956er 180D Ponton-Kombi, der aus Norddeutschland auf eigener Achse angereist war, als Publikumslieblinge und Hingucker den Rang abgelaufen.

Ein Prolog über 52 km führte die Teilnehmer durchs Meraner Land. Die Bergkulisse konnten wir vom Tal aus nur teilweise genießen, weil der Wettergott die Vorhänge größtenteils zugezogen hatte und etwas Segen von oben dazu gab. Doch das sollte nur die Vorfreude auf dikommenden Tage steigern, weil voller Sonnenschein angekündigt war, der uns dann auch nicht im Stich ließ. Bei Wanderpausen ging es darum, in einem Weingut nicht nur den Wein zu kosten, sondern 5 verschiedene Sorten am Geruch zu erkennen (was uns tatsächlich mit wer weiß welchem göttlichen Beistand auch gelang). Des Weiteren konnten wir einen 300qm großen und 350 Jahre alten einmaligen Rebstock bestaunen.

Der zweite Tag war mit 173 km anspruchsvoller, da es darum ging, beträchtliche Steigungen zu erklimmen. Nach einer beschaulichen Pause an einem zum Museum umgebauten typischen Bauernhaus wartete der Aufstieg zum 2.211 m hoch gelegenen Penserjoch auf uns. Atemberaubende Panoramen auf die umliegenden Bergmassive belohnten uns für die anspruchsvolle Fahrt. Auch der Abstieg forderte die volle Aufmerksamkeit der Fahrer, war man ja nach jeder der zahlreichen Kurven dazu verleitet, die Landschaft mehr zu genießen als auf den Straßenverlauf achtzugeben. Die Mittagspause im mittelalterlichen Sterzing, das zu den schönsten Altstädten Italiens zählt, ließ uns genügend Zeit, um die architektonischen Schönheiten zu bestaunen, bevor es wieder steil bergan zum Jaufenpass ging. Mit seinen 2.094 m ist dieser zwar nicht so hoch, doch die 1.300 m Höhenunterschied, die uns vom Zielort Dorf Tirol trennten, waren besonders für die älteren Fahrzeuge eine wahre Herausforderung.

Am dritten Tag bot uns die mit 218 km längste Etappe durch eine Bil-derbuchlandschaft wieder topografische, touristische und kulinarische Höhepunkte am laufenden Band. Auf dieser Dolomitenfahrt begaben wir uns nach einer Wanderpause am romantisch gelegenen Schloss Prösels wieder in alpines Terrain. Über das Grödnerjoch zum 1982 m hoch gelegenen Würzjoch boten sich uns unvergessliche Panoramen, immer mit dem Massiv der Dolomiten zum Greifen nahe vor Augen. Der letzte Tag war mit seinen 130 km durch den Süden Südtirols zwar kürzer, aber nicht weniger sehenswert als die vorherigen Etappen. Nach dem Start am Meraner Kurhaus und der Fahrt durch malerische Weindörfer taten sich weite Panoramen auf, bevor es wieder hoch hinaus zum Mendelpass ging, der mit seinen 1.363 m buchstäblich der Höhepunkt der Veranstaltung war. Bei klarer Sicht war von hier aus der Blick auf die im Tal liegende Stadt Bozen und den Kalterer See überwältigend. Der Abstieg war wiederum technisch sehr anspruchsvoll, doch alle kamen ohne Probleme im tiefer gelegenen Dorf Sankt Paul an, wo deftige hausgemachte Pastaspezialitäten eine willkommene Stärkung boten, bevor eine kilometerlange Fahrt durch gefühlte nicht enden wollende Apfelplantagen uns zum Zieleinlauf in die Altstadt von Meran führte.

Es ist immer wieder eine Freude mitzuerleben, wie das ADAC-Team es fertigbringt, solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, bei denen alles wie am Schnürchen verläuft und die mit abwechslungsreichen Rate- und Geschicklichkeitsspielen gespickt sind. Auch die schwierigsten Strecken mit Haarnadelkurven, schwindelerregenden Steigungen und Gefällen auf zum Teil gefährlich schmalen Sträßchen lassen kaum ein Unsicherheitsgefühl aufkommen, weiß man ja, dass die Gelben Engel des ADAC jedes technische Problem schnell aus der Welt schaffen können: sie haben dies auch bei dieser Veranstaltung wieder unter Beweis gestellt, und so jedes liegen gebliebene Fahrzeug wieder auf die Straße und ins Endziel gebracht.

TEXT & FOTOS Guy MÜLLER & Louis SCURI