2016 Auslandstour den 23 Juni
Elsasstour.
Am Donnerstag, dem 23. Juni 2016, dem Nationalfeiertag in Luxemburg, trafen sich in aller Früh die Mitglieder des MBCL auf der Autobahnraststätte “Aire de Berchem” um gemeinsam zur Auslandstour aufzubrechen. Die von den Familien Lauer und Scuri vorbereitete Tour führte die Gruppe von 15 Autos ins Elsass.
Einen ersten Zwischenstopp legten wir beim “Plan incliné” in Arzviller ein. Es handelt sich um das Schiffshebewerk von Saint-Louis Arzviller, ein in Europa einzigartiger Schrägaufzug, der 17 Schleusen ersetzt, ist. Ein Trog, von der Größe einer Schleuse (41,5
mal 5,5 Meter) bewegt sich auf Schienen auf einer schiefen Ebene mit einem Gefälle von 41%. Der Höhenunterschied von 44,55 Meter ist in 4 Minuten überwunden, und das fast ohne Energie: das Schiffshebewerk benutzt hierzu das Gewicht vom Wasser und das von zwei Gegengewichten. Das Manöver findet statt ohne Geräusch und ohne Stöße. Dieses Werk wurde gebaut um den Höhenunterschied von 17 Schleusen zu überwinden und um einen Tag Schifffahrt zwischen Straßburg und Paris zu gewinnen.
Unsere Gruppe machte eine Führung von diesem eindrucksvollen Werk sowie eine Rundfahrt auf einem Schiff.
Anschließend besichtigten wir am Fuß des “plan incliné” die “Cristallerie Lehrer”, die in den vergangenen Jahren mehrmals die Gastgeschenke des Clubs hergestellt hat: die Sektkübel, Briefbeschwerer und Glaskarafen mit unserem Clublogo stammen aus diesem Haus.
Nach dem Mittagessen in Phalsbourg im “Restaurant des Vosges” fuhren wir zum naheliegenden “Château de Lutzelbourg” und genossen den herrlichen Ausblick. Die Burg wurde Ende des 11. Jahrhunderts erbaut und befand sich zunächst im Besitz der dem Haus Scarponnois (väterlicherseits) bzw. dem Haus Savoyen (mütterlicherseits) entstammenden Grafen von Lützelburg, bis sie nach dem Tode von Reinard von Lützelburg († 1150) an die Bischöfe von Metz gelangte. 1163 ließen diese die Burg auf Veranlassung Friedrich Barbarossas neu befestigen. Die Lützelburg ist damit eine der wenigen urkundlich genau datierbaren stauferzeitlichen Burgenbauten.
Die Weiterfahrt führte uns zuerst zum “Rocher de Dabo”, und anschließend durch die schönen Elsässer Dörfer nach Molsheim, wo wir die nächsten Tage im Hotel Diana gebucht hatten. Beim Abendessen im Hotel wurden die ersten Eindrücke ausgetauscht und das Fachsimpeln unter Oldtimerfreunden genossen.
Am nächsten Morgen brachen wir zu einer 160-Kilometer langen Elsass-Tour auf. Unter der strahlenden Sonne bot sich uns eine herrliche Aussicht auf die Umgebung und wir genossen die Eindrücke, die die Dörfer, die wir durchquerten, auf uns ließen. In Riquewihr machten wir Mittagspause und konnten, je nach Lust und Laune, die Ortschaft besichtigen oder eine typische Mahlzeit zu uns nehmen.
Am Nachmittag fuhren wir dann in Richtung Saint Dié und Col du Bonhomme. Erwartungsgemäß fielen die Temperaturen und die Cabriofahrer schlossen wieder das Verdeck. Am Col du Bonhomme machten wir einen kurzen Zwischenstopp und konnten dabei die Fahrzeuge einer Oldtimerrallye, die zeitgleich ankam, anschauen. Sainte-Marie-aux-Mines, Triembach, Hohwarth, Itterswiller, und Obernai waren die nächsten Etappen des Roadbooks. Zusehends wurde das Wetter jedoch schlechter und in Bischoffsheim, wenige Kilometer vor unserem Hotel, fielen die ersten Regentropfen die sehr schnell zum Gewitter wurden. Glücklicherweise waren die meisten von uns bald im Hotel angekommen.
Beim Abendessen im Hotel Diana bedankte sich Clubpräsident Jean-François Zimmer bei den Organisatoren dieser Tour: mehrmals mussten sie ins Elsass fahren um alle Vorbereitungen zu treffen. Die ausgezeichnete Stimmung am Abend trug im Übrigen auch dazu bei, dass der Verkauf unseres spontan organisierten Clubshops ein voller Erfolg wurde.
Nach dem Frühstück am Sonntag fuhr unsere Gruppe bei nebligem Wetter zum Struthof.
Am 21. April 1941 errichten die Nazis an einem „der Struthof“ genannten Ort ein Konzentrationslager, das KL-Natzweiler.
Das Hauptlager ist das einzige Konzentrationslager auf französischem Boden und lag im damals besetzten Elsass. Seine Nebenlager auf beiden Seiten des Rheins bestanden aus fast 70 Lagern verschiedener Größen. Von den ca. 52.000 Deportierten des KL-Natzweiler haben etwa 35.000 das Hauptlager nie gesehen.
Im Lager, das als Arbeitslager für die NS-Kriegsindustrie diente, wurden auch die medizinischen Experimente der Naziprofessoren der Universität des Reichs in Straßburg durchgeführt.
Am 23. November 1944 entdecken die Alliierten die Anlage, die seit September von den Nazis aufgegeben worden war. Für einige der Deportierten der Nebenlager setzte sich der Leidensweg im Frühjahr 1945 mit den Todesmärschen noch fort.
Von 1941 bis 1945 ist das KL-Natzweiler eines der mörderischsten Lager des NS-Systems. Fast 22.000 Deportierte sind hier gestorben, unter ihnen auch viele Luxemburger.
Die Besichtigung dieser Gedenkstätte hinterließ bei uns tiefgreifende Eindrücke.
Nach einer kurzen Weiterfahrt kamen wir zum Col du Donon, wo unser Mittagessen im Restaurant Le Velleda angerichtet war.
Anschließend verabschiedeten wir uns voneinander und jeder brach, nach dieser bestens organisierten und lehrreichen Ausfahrt, in Richtung Luxemburg auf.
Text: Jean-François ZIMMER
Fotos: Guy MÜLLER
